Pflege-Praxis
Gabriele Engel
Ein glänzendes langes Fell ist Ausdruck eines
gesunden Hundes. Das dichte, teilweise bodenlange Haarkleid ist das Resultat
einer ausgewogenen und auf die Rasse abgestimmten Ernährung. Als täglicher
Nahrungszusatz eignet sich vorzüglich ein Teelöffel eines sehr guten Öls mit
einem hohen Anteil an essentiellen Fettsäuren wie z. B. kaltgepreßtes
Nachtkerzen- oder Sonnenblumenöl.
Kämmen und Bürsten
Alle tibetischen Hunde haben ein doppelschichtiges
Haarkleid, das aus der feinen Unterwolle und dem festen, dem menschlichen Haar
in Aussehen und pH-Wert ähnlichen Deckhaar besteht. Dieses ziegenhaarartige
Deckhaar mit seiner festen Struktur erhält der Lhasa Apso erst nach dem
endgültigen Wechsel des Welpenfelles. Die Unterwolle verliert er im
jahreszeitlichen Wechsel, sie verfängt sich im Deckhaar und bildet kleine
Filzknoten bis dichte Matten, wenn die Unterwolle nicht regelmäßig ausgekämmt
wird.
Wenn die Anweisungen des Züchters beachtet werden,
ist die Pflege des langen Haarkleides kein Problem. Es kommt nur auf die
Regelmäßigkeit an. Ein erwachsener Lhasa Apso wird keinesfalls täglich gekämmt,
sondern ein- bis zweimal pro Woche gründlich durchgebürstet und anschließend
gekämmt. Eine Stunde an einem bestimmten Wochentag reicht in der Regel aus, um
Verfilzungen und ungepflegtes Aussehen zu vermeiden.
Für die Praxis ist die Technik des Kämmens/Bürstens
das A und O. Der auf der Seite liegende Hund wird systematisch schichtweise vom
Bauch beginnend an aufwärts gekämmt. Wir ziehen Querscheitel und kämmen die
einzelnen Schichten durch. Das Fell wird grundsätzlich nicht trocken behandelt,
sondern mit einem Zerstäuber (einem Blumensprüher, der weiches Wasser eventuell
mit Pflegeöl oder eine Haarlotion für Hunde enthält) vorher kurz angefeuchtet.
Das erleichtert das Kämmen und schont das Deckhaar. Im Anschluß daran werden die Hinter- und Vorderläufe gut
durchgebürstet und auf die gleiche Weise gekämmt. Filzknötchen werden mit der
Slicker Brush bearbeitet oder mit dem schräg gehaltenen Kamm aufgezogen, indem
die Strähne kurz über der Haut festgehalten wird, um dem Hund nicht weh zu tun.
Filzknoten sitzen meist direkt über der Haut. Keinesfalls darf am Haar gezogen
werden, dadurch wird es überdehnt und bricht.
Besondere Aufmerksamkeit widmen wir der Kopf- und
Brustpartie. Gerade unter den Achseln der Vorderläufe und hinter den Ohren
neigt der Lhasa zum Verfilzen. Auch hier gilt das Prinzip "von unten nach
oben" arbeiten! Verfilzte Stellen im Vorfeld mit den Fingern
auseinanderzupfen, danach mit der Slicker Brush von der Mitte her in alle vier
Richtungen auskämmen oder mit dem Kamm aufziehen. In ganz hartnäckigen Fällen
können wir sie vorsichtig mit einer scharfen Schere vom Hund weg auf- und nicht
abschneiden. Augenpartie und Wimpern befreien wir mit einem besonders
feinzinkigen Kamm von Speiseresten und Augensekret, nachdem wir diese Partie
zuvor wurde mit einem Wattepad leicht angefeuchtet haben.
Sind alle Verfilzungen beseitigt, bürsten wir den
Hund noch einmal in Richtung des natürlichen Haarfalles von der Haut bis zu den
Haarspitzen, niemals jedoch gegen den Strich. Wir achten darauf, daß sich auf
dem Rücken ein Scheitel bildet, umso besser fällt das Haar bei zunehmender
Länge.
Welpen erfordern bis zum Fellwechsel im Alter von bis zu 18 Monaten mehr Pflege als erwachsene Lhasa Apsos, da das feine Welpenhaar schneller verfilzt. Kämmen und Bürsten sind Bestandteil der Erziehung und sollten vom neuen Besitzer fortgeführt werden. Wer mit seinem Welpen von Anfang an diszipliniert das beim Züchter erlernte "auf der Seite liegen" übt, hat es bei seinem erwachsenen Hund sehr viel leichter. Hund und Halter sehen dann dem Pflegeritual mit Freude entgegen und genießen es.
Hundebad
Gebadet wird je nach Verschmutzung und Bedarf, es gibt keine feste Regel. Da unsere
Umwelt sehr mit Schadstoffen belastet ist, ist ein Bad auch ein Beitrag zur
Gesundheitspflege. Nach dem Spaziergang in Wald und Flur entfernen wir
Zweiglein oder Nadeln aus dem Fell. Bei schlechtem Wetter duschen wir Pfoten,
Beine und eventuell den Bauch ab und frottieren oder fönen anschließend
trocken.
Je nach Typ ist alle 4-8 Wochen ein Bad angesagt. Im
Gegensatz zu anderen Rassen hat das Fell des Lhasa Apso einen sauren pH Wert
von 4.5-5.5 und ähnelt so dem Haar des Menschen. Es läßt sich daher auch
hervorragend mit einem guten Produkt aus der menschlichen Pflegeserie
behandeln. Sehr wichtig ist die anschließende Cremespülung mit Nerz- oder
Lanolinöl, die die Haarstruktur verbessert, dem Haar einen Schutz gegen
Umwelteinflüsse verleiht und das Kämmen erleichtert.
Nach dem Bad wird der Hund in ein großes Badetuch
eingewickelt und die Pfoten ausgedrückt. Anschließend geben wir ihm Gelegenheit
zum ausgiebigen "Schütteln". Auf einem großen Badetuch darf er sich
wälzen und schütteln. Danach fönen wir nicht zu heiß und nach dem Prinzip
"von unten nach oben". Kurz bevor er ganz trocken ist, kämmen wir das
Fell in noch leicht feuchtem Zustand gründlich durch, und untersuchen es
auf verfilzte Stellen. Zum guten Schluß
wird er noch einmal durchgebürstet. Wir achten darauf, daß das Tier unter dem
Deckhaar vollkommen trocken ist, damit es sich keine Erkältung zuzieht. Daher
darf der Hund auch nicht unmittelbar nach dem Baden hinausgeführt werden.
Pflege der Ohren und Augen
Die Ohren sind regelmäßig zu untersuchen. Haare im
Gehörgang zupfen wir mit Daumen und Zeigefinger heraus, um Entzündungen
vorzubeugen. Zur Reinigung des Gehörgang eignen sich spezielle
Ohr-Reinigungsmittel vom Tierarzt oder Calendulaöl sowie Baby-Wattestäbchen
(mit Verdickung an der Spitze).
Täglich werden die Augeninnenwinkel von Sekretresten befreit, die sich zersetzen und dann riechen. Mit einem angefeuchteten Wattepad entfernen wir das Sekret und kämmen anschließend vorsichtig die Wimpern und das Haar um die Augen.
Pflege der Pfoten und Krallen
Mit Hilfe einer speziellen Krallenzange werden die Krallen von Zeit zu Zeit gekürzt. Wichtig ist, lediglich die verhornte Krallenspitze zu entfernen, ohne den durchbluteten Teil der Kralle zu verletzen. Die 5. Kralle an der Innenseite der Vorderläufe behandeln wir ebenso, damit sie nicht einwächst. Der starke Haarwuchs zwischen den Ballen und Zehen muß kurz gehalten werden, um zu vermeiden, daß sich dort Schmutz festsetzt und sich Entzündungen bilden können.
Felllänge
Wird eine Ausstellungskarriere angestrebt, darf das
Fell keinesfalls gekürzt werden. Je nach Veranlagung kann es bodenlang werden
und bedarf dann besonderer Pflege.
Entscheidet sich der Besitzer für eine pflegeleichte
Kurzhaarfrisur, dann bietet sich ein Stufen- oder "Welpenschnitt" an.
Einmal abgeschnitten dauert es aber u. U. länger als ein Jahr, bis das Fell
wieder die ursprüngliche Länge erreicht hat.
Dies ist zu bedenken, bevor das wunderschöne dichte Haarkleid
abgeschnitten wird, das einen Teil der Schönheit dieser uralten Rasse ausmacht
und den Lhasa Apso zu etwas ganz Besonderem macht. Selbstverständlich besitzt
auch ein kurzhaariger Vertreter seiner Gattung das rassespezifische besondere
Wesen, eben das gewisse "Etwas", das Kenner und Liebhaber des Lhasa
Apso so schätzen und ihn für eine immer größere Schar von Anhängern
unwiderstehlich macht.